Der Märchenbrunnen

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Der Märchenbrunnen

Beitragvon Shiva » 9. Dez 2013, 20:57

Rezension von Frau Dr.Dr. Christine Michelfeit, Präsidentin der Gesellschaft der Lyrikfreunde, Innsbruck

Woher kommen eigentlich die vielen Märchen, die wir aus der Kindheit hinübernehmen ins spätere Leben, um sie den eigenen Kindern weiter zu erzählen? Irgendjemand muss einmal damit begonnen haben und dann wurden sie von Generation zu Generation weitergegeben bis zum heutigen Tag. Inspiriert von dem Sonnbonner Märchenbrunnen ist Angelika Pauly dieser Frage nachgegangen und hat sie in ihrem neuen Buch ganz einfach gelöst. Es muss einmal einen richtigen Märchenbrunnen gegeben haben, aus dem die Leute die Geschichten schöpften und sich an den langen Abenden erzählten. Ein böser Riese hat ihn zwar einmal mit einem schweren Stein verschließen lassen, aber ein Engel hat den Zauber wieder aufgehoben, und seither sprudelt der Brunnen weiter und weiter und erzählt die schönsten Märchen. Man muss aber ganz nahe an seinen Rand gehen, um sie auch zu hören:

Aus dem alten Brunnenschacht
schweben feine Märchenweisen.
Fang sie auf, hab acht,
lass sie nicht entweichen.

Es sind die altbekannten Gestalten, die da aus dem Schacht entsteigen „ Hexen, Feen, Riesen, Zwerge, Könige in aller Pracht…“, aber sie erleben doch ganz andere Abenteuer als Dornröschen oder Froschkönig, gemeinsam mit ihnen haben sie jedoch ein (meist) gutes Ende.
So gibt es unter anderen einen Marzipankönig, der aus seiner Liebe zu Marzipan so dick wurde, dass er nur mehr liegen konnte, bis ein kleiner Junge ihn zum Ballspiel animierte und damit erlöste. Schlank geworden entdeckte er nicht nur die Schönheiten seines Königreiches sondern auch eine schöne Frau, die er zur Königin machte.
Der leuchtende König wiederum wurde von seiner Streitsucht geheilt und konnte seinem Land Frieden bringen. Jede Märchenfigur ist etwas besonderes, so auch die Nebelprinzessin die mit ihrer Schönheit alle blendet, die sie ansehen, oder die Prinzessin, die die Eltern nur in einem Spiegel sehen können.
Angelika Pauly spannt den Bogen aber weiter, verlässt die Paläste mit ihren Problemen und verlegt die Märchen hinaus in die Natur oder auf andere Schauplätze. Da gibt es das Märchenschiff auf der Wupper oder die Geschichte von dem Spatzen, der sich auf den Südpol verirrte und fast erfroren oder verhungert wäre. Fast, denn auch dieses Märchengeht gut aus.
Die Geschichten aus dem Märchenbrunnen sind äußerst abwechslungsreich und mit bewundernswerter Phantasie geschrieben, zauberhaft illustriert von Gaby Hylla.
Ein guter Rat für den Leser:
Komm zum Brunnen,
schließ die Augen,
vernimm das Rauschen
hör gut zu,
alte Weisen, wunderschön,
Geschichten und Märchen,
die nie verweh`n,
flüstern Wasser dir und Zeiten….
Magst du bleiben?
Christine Michelfeit
liebe Grüße
Angelika
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