Die Märchenmühle

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Die Märchenmühle

Beitragvon Shiva » 30. Nov 2011, 09:48

Rezension
von Frau Dr. Dr. Christine Michelfeit
Präsidentin der Gesellschaft der Lyrikfreunde, Innsbruck

Irgendwann sprach jemand die Zauberworte aus „es war einmal“ und damit kam das Märchen auf die Welt und zog ein in die Kinderherzen und in die Herzen derer, die jung geblieben waren. Märchen sind uraltes Volksgut, das von Generation zu Generation weitergegeben und von Dichtern jeder Epoche zu einem unverzichtbaren Schatz erweitert wurde.
Jede Zeit hat ihre eigene Märchenwelt und ihre eigenen Erzähler und zu ihnen gehört auch Angelika Pauly, die bekannte Autorin vieler Kinderbücher. Da aber allen Erzählern einmal der Stoff ausgehen kann, ließ sich Angelika Pauly diesmal etwas besonders einfallen. Ihr Erzähler, ein kleiner unbedeutender Mann, der gerne Geschichten erfand und sich damit bei den Leuten in der Stadt beliebt machte, wusste eines Tages nicht mehr weiter und kam auf die Idee, Buchstaben zu sammeln und oben in eine Mühle zu werfen. Und was kam unten heraus?: fertige Märchen, Tag für Tag, und so konnte er bis an sein Lebensende die Leute mit seinen Märchen glücklich machen und damit auch die großen und kleinen Leser dieses Buches.
Die 33 aus der Mühle purzelnden Geschichten sind zwar unterschiedlich, beginnen aber dort, wo schon die Märchen unserer Kindheit begonnen haben, in einem Königsschloss, irgendwo im Land der Phantasie. Aber auch ein prunkvolles Schloss ist nicht unbedingt Voraussetzung zum glücklich sein. Denn der König, der dort herrscht ist von Natur aus traurig und überlässt sein Schloss den Spinnweben, die es zerstören. Einem anderen wiederum trocknet sein Land aus, die Rosen verwelken, die Untertanen verlassen ihn. Ein dritter gar ist klein, unscheinbar und unbeachtet. Zum Glück findet sich aber meistens eine Lösung für alle Probleme und ein gutes Ende. Auch der Hofstaat ist etwas eigenartig, da wird ein Prinz geboren, der unsichtbar ist und nur mit dem Herzen gesehen werden kann, eine Prinzessin, die an ihrer Eitelkeit zerbricht. Die kleinen menschlichen Schwächen machen auch vor gekrönten Häuptern nicht Halt.
Die Märchen wechseln dann wieder in eine ganz andere Welt, die uns vielleicht bekannter vorkommt, aber doch voller Geheimnisse steckt, denn wer weiß, dass Blumen sprechen oder sich Hummeln an Nektar überessen können. In diesem, für unser Auge unsichtbarem Reich regiert der Wurzelzwerg, ein guter Geist, der seinen kleinen Freunden mit Rat und Hilfe zur Seite steht. Ganz köstlich die Geschichte mit dem Tausendfüßler, der aus dem Fernseher schlüpft und für Chaos sorgt, gleichzeitig aber erinnert, in welcher Zeit wir leben…und beweist, dass auch diese, unsere Zeit, ihre Märchen braucht, auch wenn ihr die Technik dabei manchmal ein bisschen hilft.
Und so mahlt die Mühle weiter und weiter, bis der kleine Büchergeist, der sich zwischen den Seiten versteckt hat, das Buch endgültig schließt. Und dieser kleine Büchergeist gehört auch zu den wunderschönen Illustrationen von Gaby Hilla, die den Märchenwesen und ihrer Zauberwelt Leben einhauchen.
Angelika Paulys „Märchenmühle“ ist ein ganz besonderes Buch, das nicht nur die Kinder begeistern wird, sondern auch alle Erwachsenen, die tief im Inneren Kinder geblieben sind.

Christine Michelfeit




liebe Grüße
Angelika
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